Einleitung
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| Im Jahre 1999 habe ich zwei sehr gut erhaltene
Röhrenverstärker des kleinen aber namhaften Herstellers
„L’Audiophile“ mit der Typbezeichnung „Legend
300b“ von einem netten Holländer erworben. Ich
hatte die Verstärker persönlich abgeholt und war
entsprechend neugierig, da diese Geräte zumindest in
Insider-Kreisen über einen sehr guten Ruf verfügen.
Die Verstärker sind als sogenannte Eintakt-Trioden-Verstärker
aufgebaut und stellen damit im Kern eines der ältesten
Verstärkerkonzepte überhaupt dar. Trotzdem –oder
vielleicht gerade deshalb- sind diese einfachen und mit wenigen
Bauteilen ausgeführten Verstärkerkonzepte für
viele Musikfreude die besten, die je erdacht und umgesetzt
worden sind.
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Optik und Röhrenbestückung
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Schon bei der ersten Ansicht fallen die massiven
Übertrager von Partridge/England auf (Typ 6241 / 6241
/ 4519) auf. Ebenso die beiden grossen polierten Elkos, welche
eine Strompufferung ausreichend gewährleisten.
Es findet sich eine im Gerät montierte und nach aussen
geführte Netzleitung. Kaltgerätebuchsen, wie man
sie heute meist verwendet, sind nicht vorhanden und wurden
von mir auch nicht nachgerüstet.
Sowohl die Cinchbuchse als auch die Lautsprecheranschlüsse
befinden sich seitlich oben am Gerät und sind nicht auf
der Rückseite montiert.
Desweiteren findet sich auf der Oberseite direkt neben der
300b das Poti zur Feineinstellung der Spannung für die
300b.
Ausgestattet sind die Geräte mit der folgenden Röhrenbestückung:
- Gleichrichter - WE 274b (alternativ 5R4WG)
- Vorstufenröhre – WE 310a
- Leistungsröhre – WE 300b
Zum Zeitpunkt des Kaufes waren eingebaut 5R4WG / WE 310a
/ WE 300b final 200.
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Erste Änderungen (Röhrenbestückung)
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In dieser Bestückung haben die Geräte
sehr gut gespielt, allerdings klang die musik etwas diffus
und mit der Auflösung war ich nicht wirklich zufrieden.
Daraufhin habe ich die Gleichrichterröhre gegen eine
CV378 (GZ37) NOS getauscht. Der Wechsel führte zu einer
sofortigen und deutlich wahrnehmbaren Verbesserung. Ich habe
im Laufe der Jahre noch mehrfach die Erfahrung gemacht, dass
die Auswahl der Gleichrichterröhre sich ganz entscheidend
auf die klanglichen Qualitäten eines Verstärkers
auswirkt. Der Wechsel der Gleichrichterröhre war ohne
sonstige Veränderungen möglich.
Da sich trotzdem keine echte Zufriedenheit einstellen wollte,
wurde als nächstes die Vorstufenröhre getauscht
gegen eine WE 310a „mesh plate“ NOS. Danach habe
ich mich an die Leistungsröhre herangewagt, was natürlich
fast einem Frevel gleichgekommen ist, da ja die WE 300b der
Klassiker unter den 300b sein soll und von vielen als die
einzig wahre 300b bezeichnet wird. Meine beiden WE 300b waren
zudem aus der letzten Serie nach alter Herstellung, was sich
am Zusatz „final 200“ zeigt. Die Wahl fiel auf
eine 300b von „full music“, welche ebenfalls als
„mesh plate“ ausgeführt ist.
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Klangeindrücke
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Nach dieser kleinen Radikalkur und nunmehr
mit komplett neuer Röhrenbestückung begannen die
Verstärker endlich richtig Musik zu spielen. Die Musik
hatte eine aussergewöhnlich gute Räumlichkeit und
Abbildung, wobei dies ja ohnehin einer der grössten Vorzüge
von Trioden ist. Die Feinzeichnung war sehr gut und ganz entspanntes
Musikhören wurde wieder zur Lieblingsbeschäftigung.
Die Verstärker wurden an meinen Tannoy Westminster betrieben
die mit einem Wirkungsgrad von rund 100db/Watt natürlich
sehr gut zu den Verstärkern passen.
Allerdings war nicht nur Licht, sondern auch Schatten vorhanden.
So hatte man gelegentlich doch den Eindruck, dass die Röhre
mit der recht schweren Membrane der Tannoy zu kämpfen
hat. Dies zeigte sich in einem nicht immer sauber gespielten
Bass und einer Art Angestrengtheit bei komplexen Musikpassagen.
Manchmal hatte man zudem den Eindruck, dass die Musik wie
aufgequollen wirkte. Dies hört sich jetzt drastischer
an als es gemeint ist. Ich war mit den Verstärkern sehr
zufrieden und bin mir sicher, dass sie bereits in dem damaligen
Zustand sehr wenig Konkurrenz auf ihrem Sektor gehabt haben.
Nur waren sie eben keinesfalls perfekt für mein Ohr.
Damals war ich noch davon überzeugt, dass die beschriebenen
Fehler auf die doch recht geringe Leistung in Kombination
mit dem 15“ Chassis der Tannoy zurückzuführen
sein müsste.
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Weitere Änderungen und anschliessende
Klangeindrücke
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Mehr aus Neugier als aus tatsächlich
empfundener Notwenigkeit gab ich die Verstärker dann
dem Oleg mit, damit er sie sich einmal ansehen sollte. Ich
vertraute hierbei darauf, dass wenn etwas sinnvoll geändert
werden könnte, dies vom Oleg oder Mik gefunden und erledigt
werden würde.
Es wurden dann gewisse Änderungen durchgeführt und
die signalführende Innenverkabelung ausgetauscht. Nach
kurzer Zeit waren die Verstärker wieder bei mir zu Hause.
Nunja ich wollte meinen Ohren nicht trauen als ich sie danach
angeschlossen habe.
Über Jahre war ich mir sicher, die Verstärker hätten
eben „prinzipbedingt“ in manchen Bereichen ihre
Schwächen. Auch war ich davon überzeugt, sehr gut
klingende Verstärker zu besitzen und war wirklich zufrieden
gewesen. Alles Schall und Rauch.
Plötzlich spielten die Verstärker einen sauberen
und klar definierten Bass. Man hatte den Eindruck, es würde
hier ein anderer Verstärker spielen als zuvor. Komplexe
Passagen wurden aus dem Ärmel geschüttelt mit einer
davor nicht gekannten Lässigkeit. Erstaunlicherweise
legte auch der Mittelton und der Hochton ein ganzes Stück
an Spielfreude zu. Ganz selbstverständlich gewann die
Musik durch diese Änderungen an Atmosphäre und Lebendigkeit.
Auch die zuvor schon sehr gute Räumlichkeit hatte sich
nochmals verbessert, wohl auch dadurch bedingt, dass die unsauberen
Bereiche komplett verschwunden waren.
Kurz und knapp ausgedrückt: die Verstärker spielten
zusammen mit den Tannoy einfach Musik pur.
Ganz gleich welchen Verstärker ich zuvor an den Tannoy
gehört hatte, diese Verstärker waren nicht mehr
damit zu vergleichen. Eigentlich hatte ich noch nie ansatzweise
so gut Musik gehört. Es gab nichts mehr, was mir nicht
gefallen hätte.
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Resümee
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Mit dem „L’Audiophile 300b“
wurde ein sehr guter Verstärker gebaut, der mit kleinen
aber durchdachten Änderungen für meinen Geschmack
perfekt Musik spielt.
Unten habe ich ein paar Bilder angefügt, welche den Verstärker
insgesamt zeigen sowie ein Bild vor und eines nach dem genannten
Umbau.
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