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Als Jahrgang 1963 habe ich in meiner Jugend die Zeiten von
Pink Floyd, Deep Purple, Suzi Quatro und wie sie alle heissen
durchlebt. Die damalige Zeit war geprägt von anfangs
privaten Feten und später Hallenbesuchen an nahezu jedem
Wochenende. Das ein oder andere Live-Konzert hat man ebenfalls
mitgenommen.
Im Alter von 10-12 Jahren begann man dann seine erste Anlage
zusammenzubauen, wobei das wichtigste Augenmerk natürlich
auf „viel laut“ gelegt worden ist. Eben nach dem
Vorbild dessen, was man von den (semi-)professionellen Bands
und deren Auftritten gewohnt war. Es konnten gar nicht genug
Lautsprecher angeschlossen werden, und noch heute muss man
sich die Frage stellen, wie das alles funktioniert hat und
weshalb die armen Verstärker nicht in die Knie gegangen
sind, sondern das alles nahezu klanglos mitgemacht haben.
Man wurde etwas älter und es kam die grandiose Zeit
des ersten fahrbaren Untersatzes in Form der heiss geliebten
Mopeds. Die Musik wurde lauter und derber, die Anlagen wurden
kräftiger und die selbst produzierte Beschallung der
Partyräume nahm dramatisch zu.
Kurze Zeit später war man dann endlich im Besitz des
Führerscheines und das erste Auto kam. Und mit diesem
änderte sich der Musikstil erneut, es war nun die Disco-Zeit
angesagt. Gleichzeitig wurde es sehr schnell erforderlich
auch im Auto für standesgemässe Lautstärken
zu sorgen. Das machte nicht nur mächtig Spass, sondern
brachte doch auch reichlich Eindruck bei dem weiblichen Geschlecht.
In dieser Zeit setzte man sich dann doch auch schon intensiver
mit der Materie auseinander, es wurden die ersten CD-Player
eingebaut, was damals als Quantensprung empfunden worden war,
wobei jetzt auch Lautsprecher das Qualitätsmerkmal „CD-tauglich“
aufgedruckt bekamen. Aus heutiger Sicht betrachtet ist das
sicherlich ein Schmunzeln wert. Es folgten die ersten aktiven
Frequenzweichen und Mehrwegesysteme im Auto und als ich zum
ersten Mal einen Subwoofer gehört habe (es hat sich um
einen im Kofferraum eines Freundes trommelnden Free-Air-Woofer
gehandelt), schien eine neue Zeitrechnung angebrochen.
Die ersten Doorboards wurden Mitte der 80-er Jahre gebaut
und die Marken Alpine und Pioneer beherrschten die Szene.
Das Motto lautete uneingeschränkt „je mehr umso
besser“. Das traf sowohl auf die Anzahl der eingebauten
Chassis als auch auf die aufgedruckten Wattangaben zu. Auch
bei Lautsprechern war diese Angabe von hoher Bedeutung. Man
wusste es nicht besser.
Die Musik zu Hause verlor an Bedeutung. Da man sowieso immer
auf Achse gewesen ist, um die neu gewonnene Mobilität
zu geniessen, war die Anlage zu Hause etwas in Vergessenheit
geraten.
Das änderte sich dann mit der ersten eigenen Wohnung.
Ab nun galt es, sowohl der Heimanlage als auch der Anlage
im Auto Aufmerksamkeit zu schenken. Gekauft wurde für
zu Hause natürlich im wesentlichen nach dem Abschneiden
der Kandidaten in den Berichten der Fachzeitschriften. Eine
gute Bewertung und der Zusatz „Referenz in seiner Klasse“
hob die Geräte sehr schnell in den Olymp. Natürlich
wurden auch viele Stunden in verschiedenen Studios des Fachhandels
verbracht. Zumeist in Begleitung eines oder mehrerer Freunde,
weil dies die sichere Auswahl doch deutlich zu erleichtern
schien.
Es kam dann im zarten Alter von 34 Jahren zu meinem ersten
Kontakt mit Thomas Hoffmann. Der „musikalische“
Weg im Auto hatte zwischenzeitlich horrende Geldbeträge
verschlungen. Der Frust nahm allerdings zu, weil ich einfach
nicht in der Lage gewesen bin, mein erstes mit DSP versehenes
System (ODR) auch nur halbwegs einzustellen. Dieser Kontakt
fand in Sinsheim 1998 statt und der Thomas hatte den BMW M635csi
dabei. Das war ein Meilenstein für mich, da diese Anlage
auf einem Niveau gespielt hat, welches ich bis dato nicht
gekannt habe und der Anspruch wurde geweckt, dies irgendwann
selbst zu realisieren. Die Anlage bestand wie einige sicherlich
noch wissen aus 8 Monoblöcken von Genesis, welche von
insgesamt 8 Hawker Akkus gespeist wurden. Als HU war ein Pioneer
ODR verbaut, welches durch ein Alpine DAT ergänzt wurde.
Als Lautsprecher dienten Görlich und DLS. Die Anlage
im BMW war somit grundsätzlich mit meiner eigenen (ODR,
4x Genesis Dual Mono, Görlich, DLS) vergleichbar aber
sie spielte in vollkommen anderen Dimensionen.
Eine Link zum BMW findet ihr hier.
Wir vereinbarten einen Besuch von mir in Goch, wo damals
DLS Deutschland unter der Regie vom Thomas
residierte. Dieser Trip von immerhin 650km war eine sehr vernünftige
Entscheidung. Der Thomas stellte mir die Anlage in kürzester
Zeit komplett ein und ich mochte sie nicht wieder erkennen.
Ab diesem Moment war mir klar, wie wichtig gute Einstellungen
eines DSP sind.
Dieser Besuch brachte aber noch ein paar weitere Folgen mit
sich. Zum einen lernte ich den Herrn Görlich erstmals
persönlich kennen und zum anderen hörte ich im Hörraum
vom Thomas die dort aufgestellten grossen Görlich-Systeme.
Ob dies unter finanziellen Aspekten eine vernünftige
Entscheidung gewesen ist, will ich doch lieber offen lassen.
Die Eindrücke, welche ich beim Hören der Görlich-Systeme
gewinnen durfte, waren jedenfalls ebenso bleibender Natur
wie das Erlebnis in Sinsheim im BMW. Noch nie zuvor hatte
ich ein Schlagzeug derart live gehört und gespürt
(ausser natürlich wenn es auch live gespielt worden ist).
Die Dynamik, welche die Anlage vermittelt hat, war in diesem
Moment für mich einfach unglaublich.
Kurzum: ich fuhr sehr zufrieden mit einem plötzlich
sehr schön klingenden Auto nach Hause und mir war zudem
klar geworden, dass man in den eigenen vier Wänden deutlich
mehr realisieren kann, als ich dies bis zu diesem Zeitpunkt
für möglich gehalten hätte. Sämtliche
Erkenntnisse der letzten Jahre -gesammelt in den oben genannten
Studios- waren weg geblasen und wurden ad acta gelegt.
Da ich dann die Bauphase meines kleinen Eigenheimes vor mir
hatte, wurden die Görlich –Systeme bereits gedanklich
eingeplant. Als Verstärker wurden zwei Monoblöcke
von Genesis geordert. Die Vorstufe war meine erste „Röhre“
– Marke: Copland. Als CD diente ein wunderschönes
Gerät aus dem Hause Symphonic Line: CD-Player Reference.
Auch Vinyl wurde wieder entdeckt und ein Laufwerk von Pink
Triangle „L’Aniversary“ angeschafft.
Ich war sehr zufrieden und hatte ordentlich Spass mit dieser
Anlage. Aber gleichzeitig begann ich, immer mehr nach Änderungen/Verbesserungen
zu streben.
Es folgten Änderungen der Vorstufe, der Verkabelung
und schliesslich der Kauf meiner ersten Röhrenendstufen.
Diese waren nur relativ kurz im Einsatz gewesen und ich habe
tatsächlich die Marke vergessen.
Ich bekam dann zufällig Kontakt zum Hannes Frick, welcher
in Vorarlberg zum damaligen Zeitpunkt ein exzellent bestücktes
kleines Studio betrieben hat. Beim Hannes handelt es sich
um einen der liebenswertesten Menschen, welche ich überhaupt
kenne. Kombiniert mit einem sensationellen Gefühl für
Musikwiedergabe. Infos zum Hannes findet ihr hier: www.fricco.com
Beim Hannes erlebte ich etwas erneut sehr aussergewöhnliches.
Der Hannes spielte mir auf seiner Anlage ein paar schöne
LP’s und CD’s vor. Obwohl es schon einige Jahre
her ist, weiss ich noch genau, welche Geräte zum Einsatz
kamen:
- LP-Laufwerk war eine Platine Verdier mir SME 3012 und SPU
classic
- CD-Laufwerk ein CEC mit Audio-Note D/A Wandler
- Puristische Röhren-Vorstufe eines Bekannten vom Hannes
- Röhrenendstufen von EAR
- Lautsprecher Tannoy Turnberry
- Ergänzt durch REL Storm – Aktivwoofer (was ich
nicht bemerkt habe)
Die Art und Weise, wie diese Anlage mir z.B. einen Louis
Armstrong vor die Augen gezaubert hat, war unvergleichlich.
Eine Leichtigkeit und Offenheit und unerhörte Räumlichkeit
mit einem ganz eigenen Charme. Neben dem AHA-Effekt wenige
Jahre zuvor beim Thomas war dies eine weitere Erfahrung, welche
den meisten Musikbegeisterten leider vorenthalten bleiben
wird.
Wie es der Zufall will bin ich kurze Zeit später im
Internet auf zwei gebrauchte Tannoy Westminster gestossen.
Und da konnte ich nicht „nein“ sagen. Der Preis
war gut und die Erwartungen entsprechend hoch. Mit grossem
Bedauern musste ich damit aber auch von meinen Görlich-Systemen
Abschied nehmen.
Als die Tannoy dann ankamen und angeschlossen wurden überfiel
mich jedoch zuerst einmal eine grosse Enttäuschung. Die
Musik wollte leider nicht so spielen wie ich es erwartet habe.
Ich begab mich zum Schraubendreher und öffnete die beiden
Lautsprecher und stellte zu meiner grossen Überraschung
fest, dass in einer Box eine Verpolung vorlag, welche dazu
geführt hat, dass der Hochton phasengedreht spielen musste.
Darüber hinaus war eine Kammer nicht verschraubt, so
dass sich natürlich Fehler in der Ankopplung der Membrane
an den rückwärtigen Hornverlauf ergeben mussten.
Nach Korrektur der Phase und Verschraubung der Kammer war
es schon viel besser. Allerdings schien es so, als würden
die Tannoy irgendwie eingebremst spielen. Sie waren nicht
wirklich frei. Besserung brachte dann eine Überarbeitung
der Frequenzweichen unter Verwendung von Mundorf Supreme Kondensatoren.
Ausserdem wurden die Frequenzweichen aus den Gehäusen
der Tannoy ausgelagert. Ebenso war der Austausch der Innenverkabelung
unumgänglich. Das dort original eingesetzte Van-den-Hul-Käbelchen
mit den wirklich billigsten und wackeligen Kabelschuhen war
dem Preis und der Klasse eines derartigen Lautsprechers nun
wirklich nicht angemessen. Zum Einsatz kommt jetzt das Lautsprecherkabel
Voodoo Silver Cable.
Nach dieser kleinen Kur waren die Lautsprecher nicht mehr
wiederzuerkennen. Sie spielten mit den kleinen Röhrenmonos
von L’Audiophile
„The Legend 300b“ wirklich sehr schön.
Vor allem war der Klang sehr angenehm und konnte eine grosse
Räumlichkeit vermitteln. Wenngleich ich schon ab und
zu den Eindruck hatte, dass die Musik etwas „aufgebläht“
und unsauber im Bassbereich spielt. Diese „Fehler“
führte ich jedoch auf den Einsatz der 300b zurück
und bewertete dies als „röhrentypischen“
Klang. Dies sollte sich Jahre später (siehe unten) als
Irrtum heraus stellen.
Ebenfalls über das Internet lernte ich den Oleg
Rullit kennen, als ich von ihm einen alten Sansui Receiver
auf ebay ersteigert hatte. Diesen holte ich nach einem Termin
im Osten der Republik auf dem Heimweg in Nürnberg persönlich
ab. Zeitlich müsste dies irgendwann in 2001 einzuordnen
sein. Von diesem Zeitpunkt an hatte ich mit dem Oleg über
die Jahre hinweg sporadisch Kontakt, welcher sich erst später
intensivieren sollte.
Da ich wusste, dass der Oleg und sein Meister Mik sich sehr
gut mit Röhrenverstärkern auskennen und auch eigene
Projekte entwickeln, habe ich ihm irgendwann meine beiden
mit VT52
bestückten Verstärker zur Durchsicht gegeben. Diese
Verstärker wollten irgendwie nicht vernünftig spielen.
Einige Zeit später bekam ich sie dann zurück und
konnte zu meiner grossen Freude feststellen, dass die Überarbeitung
durch den Mik sehr erfolgreich gewesen ist. Es waren wohl
nur Kleinigkeiten zu machen, aber das Ergebnis war frappierend.
Es ergab sich dann, dass mir der Oleg von eigenen NF-Kabeln
erzählt hat, welche sie gebaut hatten und mir anbot,
diese doch einmal bei mir auszuprobieren. Ich war in hohem
Maße erstaunt, wie sich diese Kabel auf den Klang meiner
Anlage ausgewirkt haben. Selbst die von mir verwendeten Voodoo
Silver Cable konnten da nicht ganz mithalten.
Bei einem weiteren Besuch hörte ich beim Oleg zwei kleine
Breitbänder, welche von ihm selbst umgebaut worden waren.
Diese kleinen Chassis waren lediglich durch zwei alte Isophon
Tieftöner ergänzt und waren in der Lage bei kleinstem
Aufwand ganz hervorragend Musik zu spielen.
Vor kurzem habe ich mich dann dazu entschlossen, die 300b
dem Oleg mitzugeben, damit diese mal durchgesehen werden konnten,
in der Hoffnung, dass man sie vielleicht etwas würde
verbessern können. Wie gesagt war ich mit den beiden
Geräten bis auf die genannten Dinge sehr zufrieden gewesen.
Als ich die 300b dann zurückbekommen habe und diese
an die Tannoy angeschlossen worden waren, wollte ich meinen
Ohren im ersten Moment nicht trauen. Zum einen waren die Fehler
im Bassbereich vollkommen verschwunden, zum anderen spielten
die 300b
mit wesentlich mehr Abbildung als zuvor. Dies war vor allem
deshalb überraschend, weil die Abbildung ja von Anfang
an ausserordentlich gut gewesen ist. Am erstaunlichsten war
allerdings, dass die angeschlossenen Tannoy nun plötzlich
wesentlich „mehr Musik“ gespielt haben. Ich verstand
plötzlich, was mit dem schon abgedroschen wirkenden Begriff
„Klangfarben“ gemeint ist. Vollkommen gleichgültig,
ob es sich um die Wiedergabe von Stimmen oder Instrumenten
handelt, die Töne waren plötzlich nicht mehr als
Ton sondern als Stimme oder eben Instrument zu hören.
Ich gebe zu, dass dies etwas schwierig zu erklären ist,
wenn man es nicht selbst hört.
Der aktuelle Stand meiner Anlage im Moment (April 2006) ist
folgender:
- Plattenlaufwerk Platine Verdier / Tonarm Koetsu 10“
/ Tonabnehmer Koetsu u.a.
- MC-Übertrager von Auditorium 23
- Phono Stage nach J. Hiraga
- CD-Player
Helios Stargate
- Tape
Deck Luxman K-04
- Vorverstärker von Oleg Rullit (Transistor mit AÜ)
- Zwischenübertrager von Oleg Rullit
- Endstufe L’Audiophile „The
Legend 300b“ (leicht umgebaut wie beschrieben)
- Lautsprecher Tannoy Westminster (leicht umgebaut wie beschrieben)
- Verkabelung Lautsprecher Voodoo Siver Cable
- NF-Verkabelung von Oleg Rullit
Der eingefleischte „High-Ender“ wird die Angaben
zu den verwendeten Stromkabeln vermissen. Diese sind ganz
einfach deshalb nicht ausgeführt, weil No-Name-Kabel
verwendet werden. Selbst die Steckerleiste ist ohne Bedeutung
ausgewählt worden. Bei Strom achte ich allerdings auf
phasengleiches Einstöpseln der jeweiligen Netzstecker;
und wenn es die Umstände zulassen auch auf eine sternförmige
Anordnung der Stecker. Alle sonstigen Netzkabel- und Netzsteckerdiskussionen
sind für mich beendet.
Da Klangbeschreibungen nicht so unbedingt meine Sache sind,
will ich es bei der Feststellung belassen, dass die Musik
jetzt für meinen ganz persönlichen Geschmack hervorragend
spielt. Jedes Instrument klingt so, wie ich es auch in natura
gewohnt bin. Auch komplexe Passagen beginnen nicht mehr zu
verschwimmen. Kleinere Ensembles verursachen echtes „live“-Feeling.
Selbst bei CD-Wiedergabe ist ein sehr relaxtes Hören
möglich, ohne den Eindruck zu haben, dass es sich „nur“
um Konserven handelt, welche abgespielt werden. Ganz erstaunlich
ist vor allem, dass fast jede Art von Musik zum entspannten
Zuhören animiert. Selbst Stücke, die ich früher
immer weggedrückt habe, verleiten nicht mehr zum spontanen
Griff nach derFernbedienung. Viele ältere Sachen, die
ich schon sehr oft auf verschiedensten Anlagen gehört
habe, erscheinen teilweise wesentlich musikalischer als zuvor.
Alles in allem habe ich jetzt den Punkt erreicht, welcher
zu grosser Entspannung beim Hören führt. Man registriert
beim Hören, dass es sehr homogen und musikalisch ist;
man registriert wie virtuos die Musik sein kann. Und vor allem
ist dieses angestrengte Hören nach Fehlern oder nach
dem „was kann man verbessern?“ vollständig
verschwunden.
Ganz nebenbei erlaube ich mir seit ein paar Monaten den Luxus
einer Zweitanlage, welche mit Görlich-Chassis bestückt
ist und bei der man bei Bedarf mal wieder ungestüme Dynamik
erleben kann. Dazu später mehr.
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